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Verfasser Sebastian Hennig erweist sich als ein Meister der leisen und der Zwischentöne. Behutsam didaktisch erschließt er dem Leser den nur scheinbar so zeitenfernen Dichter. Zudem weiß er verblüffende Verbindungen vom Werk Fontane`s zu aktuellen Geschehnissen herzustellen.

zum Buch

Theodor Fontane

Theodor Fontane

Ulrike Unger

„Ich habe das Leben immer genommen, wie ich´s fand, und mich ihm unterworfen. Das heißt, nach außen hin; in meinem Gemüte nicht.“

Bild 1: Theodor Fontane, 1883  (Gemälde von Carl Breitbach)
Bild 1: Theodor Fontane, 1883 (Gemälde von Carl Breitbach)
     
Zum Schriftsteller Fontane

      

Theodor Fontane hatte diesen einen Traum. Er wollte Schriftsteller werden. Die Schritte dorthin waren mühsam. Doch der gelernte Apotheker mauserte sich letztendlich zum größten Dichter des poetischen Realismus im 19. Jahrhundert, zum Autor von europäischem Rang.
Vielleicht hätte man all den Schülern, die einst missmutig über der „Effi Briest"-Lektüre gebeugt saßen und sich heute mit Unwohlsein daran zurückerinnern, etwas mehr Zeit in der Bekanntschaft mit Fontane geben müssen. Denn in das qualitätvolle Gewebe Fontanescher Romane muss man sich erst geduldig hineinlesen.
Da ist diese zeitdehnende Romansprache, in der man sich so schön in akribisch erwähnten Details verlieren kann. Aber es ist nichts überflüssig. Alles ist an seinem Platz und hat seine Ordnung. Denn das ist es ja, was den Realismus markant macht, dieses Schwelgen im Detail, um sich intensiv mit Ort und Handlung vertraut zu machen. Und die sorgfältige Wortwahl, immer im Konversationsstil, ohne Pathos und Aufregung. Die Emotionswelt der Figuren wird im Dialog zurückgenommen, nur der Erzähler berichtet von ihr. Überhaupt das Innenleben. Das Motiv des Ehebruchs in „Effi Briest" wird von derart vielen kunstfertigen Andeutungen flankiert, dass das Meisterliche dieses Werkes hier vor allem in jener sprachlichen Nuancierung liegt. Die „Effi Briest" ist ein Sittengemälde, welches nur unter historischen Blicken verstanden werden kann. Die Gesellschaftskritik, die Theodor Fontane anbringt, ist maßvoll, subtil und in ihrer Summe trotzdem deutlich genug. Die Ablösung einer überkommenen Gesellschaft durch eine neue wird in diesem Roman sichtbar. Die „Effi", die 1896 in Buchform erschien, ließ Fontane endlich die angesehene Position als Romanautor zuteil werden. Wer glaubt, seine Romane seien steif und ernst, der irrt. Humor und Ironie waren auch Fontane nicht fremd, dennoch ist es keine provokante Ironie, sondern eher eine reife, nachdenkliche, die der Autor hier und da in seine Texte einfädelt. Fontanes Literatur geht noch nicht den revolutionären Schritt, das Hässliche zum Stoff der Kunst zu erklären. Erst die im späten 19. Jahrhundert aufkommende Strömung des Naturalismus wird dies mit aller Schärfe und Konsequenz tun. Und doch ist Fontanes Realismus Vorbote für all das.

Bild 2: Theodor Fontane, um 1860
Bild 2: Theodor Fontane, um 1860

      

Aus Fontanes Leben

  
1819 wurde Theodor Fontane in Neuruppin geboren. Der Vater war Besitzer der Löwen-Apotheke, die noch heute in der Altstadt besichtigt werden kann. Über dem Geschäft lag die Wohnung der Familie. Die Eltern waren hugenottischer Abstammung, hatten also Wurzeln in Frankreich.
Verbunden mit vielen Ortswechseln, arbeitete auch Fontane seit dem Herbst 1840 zunächst als Apothekergehilfe bis zur abgeschlossenen Ausbildung. Danach nahm er journalistische Tätigkeiten in England und Schottland auf. Als Kriegsschriftsteller berichtete er 1870 vom deutsch-französischen Krieg aus Paris. Hier geriet er in Gefangenschaft, weil man ihn irrtümlich als Spion verdächtigte. Er wurde allerdings auf Bismarcks Intervention hin wieder freigelassen. Auch als Theaterkritiker und Redakteur einer konservativen preußischen Zeitung sammelte er Erfahrungen. Als junger Mann hatte Fontane sogar auf den Barrikaden der Revolutionäre von 1848 gekämpft. Politisch und beruflich machte er somit viele Wandlungen durch. Auf einen unwiderruflichen Standpunkt legte er sich indes nie fest. Das jedoch, was ihm bis zum Ende den Weg vorgab, war sein Wunsch, ein Schriftsteller zu werden.
Fontane beteiligte sich etwas mehr als zwei Jahrzehnte als Mitglied des Berliner literarischen Kreises „Tunnel über der Spree" an dessen Vereinsleben. Hier traf er unter anderem auf den Literaturnobelpreisträger Paul Heyse, mit dem er einen freundschaftlichen Briefwechsel pflegte. Das Erstaunliche an diesem Fontane war seine schriftstellerische Vollendung im hohen Alter. Denn er war aus damaliger Sicht, während der Entstehung seiner bekanntesten und wichtigsten Werke, bereits ein Greis. Seine wunderbaren Balladen von „John Maynard" (1885), dem selbstlosen Steuermann und dem „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" (1889), der Roman „Der Stechlin" (1899) oder eben „Effi Briest" waren solche bleibenden Erfolge.
Der Literaturwissenschaftler Fritz Martini resümierte einmal die Begabung des Autors in folgender Weise: „Fontane erfaßte Mensch und Gesellschaft im Wechsel zwischen Altem und Neuem mit pointierter Psychologie und Zeitanalyse."
Die menschliche Eigenständigkeit, deren Versuch Effi Briest mit dem Leben bezahlt, ist etwas, das auch Fontane in anderem Umfang gewagt hat. Die späten Früchte seiner Arbeit hat er sich mit Ausdauer erschrieben. Und womöglich hätte es ihn sehr stolz gemacht, wenn er gewusst hätte: Keinem Geringeren als Thomas Mann war Fontanes Stil Vorbild für die eigenen monumentalen Werke.

    

Fontane und Brandenburg


Die märkische Heimat des Dichters fand immer wieder Eingang in dessen Werk. Die Hauptstadt Berlin und auch die beschaulich-ländliche Umgegend wurden gern zum Schauplatz gewählt. „Mit den Wanderungen durch die Mark Brandenburg" schuf er ein umfassendes Porträt dieser Landschaft und seiner Bewohner.
In seinem autobiografischen Roman „Meine Kinderjahre" beschrieb Fontane unter anderem seine ersten sieben Lebensjahre in Neuruppin, bevor die Familie nach Swinemünde zog. Mit viel Wortwitz führte er Erinnerungen an allmorgendliche Szenen aus, in denen ihm die Mutter die blonden Kinderlocken straff durchkämmte oder wie er einst mit dem Vater auf einer langen nächtlichen Fahrt mit dem Pferdewagen unterwegs war und vom Anblick der Sterne nicht genug bekommen konnte.
Die fünfbändigen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" sind nicht nur eine besondere Fundgrube für Entdecker und Liebhaber Brandenburgs. Für das Werk erkundete Fontane dreißig Jahre zu Fuß die Mark. In den Büchern brachte er seine Erfahrungen und Erkenntnisse zu Papier. Entstanden ist eine umfangreiche Mischung aus historischen Abhandlungen, Reiseberichten, Naturdarstellungen, die Fontane in seiner unverwechselbaren Sprache wiedergibt. Aus kulturhistorischer Sicht sind die ausführlichen Schilderungen von Orten, Bewohnerin, Landschaften, Kirchen, Klöstern und Schlössern zudem außerordentlich wertvoll. Fontanes Forschungen zur märkischen Geschichte sind zwar nicht immer korrekt, dafür verstand er es bunt und spannend zu erzählen. Da wusste ein Kenner, wovon er schrieb: „Ob du reisen sollst, so fragst du, reisen in der Mark? [...] Wag' es getrost und du wirst es nicht bereuen."

   

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Bildquellen: 

• Teaserbild: wikipedia - gemeinfrei
• Bild 1: wikipedia - gemeinfrei
• Bild 2: wikipedia - gemeinfrei

Textquellen:

• Theodor Fontane. Meine Kinderjahre. Autobiographischer Roman. 4. Auflage. Berlin: Aufbau 2001.
• Fritz Martini: Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 19., neu bearbeitete Auflage. Stuttgart: Alfred Kröner 1991.
• http://www.zeit.de/2009/47/Vorbilder-Fontane  
• http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Fontane
• http://de.wikipedia.org/wiki/Realismus_%28Literatur%29
• http://de.wikipedia.org/wiki/Wanderungen_durch_die_Mark_Brandenburg
• http://www.zeno.org/Literatur/M/Fontane,+Theodor/Reisebilder/Wanderungen+durch+die+Mark+Brandenburg/Die+Grafschaft+Ruppin/%5BVorworte%5D/Vorwort+zur+zweiten+Auflage

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