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Der Bettnässer

Florian Russi 

Russi thematisiert in seinem neuen, einfühlsamen Roman die gesellschaftlichen und psychischen Probleme eines Jungen, dessen Leben von Unsicherheit und Angst geprägt ist.

Auch als E-Book erhältlich 

Eva Strittmatter

Eva Strittmatter

Ulrike Unger

Die meistgelesene deutsche Lyrikerin der Gegenwart


„Ein Gedicht ist ein im Raum befindlicher Klang."
(Aus: Irmtraud Gutschke: »Eva Strittmatter. Leib und Leben«)
 
Im Dialog mit Irmtraud Gutschke erzählt die Dichterin von ihren persönlichen Erschütterungen, ihren Erfahrungen in der DDR.  „Eva Strittmatter. Leib und Leben“ erschienen im Aufbau Verlag Berlin.
Im Dialog mit Irmtraud Gutschke erzählt die Dichterin von ihren persönlichen Erschütterungen, ihren Erfahrungen in der DDR. „Eva Strittmatter. Leib und Leben“ erschienen im Aufbau Verlag Berlin.
Sie hat ihre Leser teilhaben lassen an ihren tiefsten Gefühlsregungen, die sie durch ihre Lyrik nach außen gewendet hat. Dass Schreiben Schmerz und Befreiung zugleich sind, wusste wohl niemand besser als Eva Strittmatter. 
 
1930 wurde sie in Neuruppin als Eva Braun geboren. In ihrem Zuhause gab es keine Bücher, nicht mal eine Bibel. Die Entdeckung der Schulbibliothek war für sie wie eine Erweckung. Beim Spiel mit den Freundinnen hat sie sich oft heimlich zurückgezogen, um in einem Buch zu lesen. Aber dafür blieb nie viel Gelegenheit, sie wurde im Haushalt gebraucht.
Weil sie die Welt der Bücher nicht losließ, begann sie an der Humboldt-Universität Berlin ein Germanistik- und Romanistikstudium. Durch ihre anschließende Tätigkeit als Lektorin beim Deutschen Schriftstellerverband der DDR fasste sie im Literaturbetrieb Fuß. Später arbeitete sie auch als Rezensentin für die Zeitschrift „neue deutsche literatur". Mitte der fünfziger Jahre etablierte sie sich allmählich als freie Schriftstellerin. Im Oktober 1954 bezog sie mit gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Erwin Strittmatter, das brandenburgische Vorwerk Schulzenhof. Hier wuchsen die vier Söhne auf, hier entstand der Großteil ihrer Gedichte.
 
In den sechziger Jahren fing sie an zielgerichtet Gedichte zu schreiben. Ihr Mann war zu dieser Zeit bereits ein vielgelesener und angesehener Autor. Ihr erster Band „Ich mach ein Lied aus Stille" erschien 1973. Fast ein Dutzend folgten in unterschiedlichen Abständen. Zuweilen hat sie auch Prosa entstehen lassen, wie 1986 „Mai in Piest´any". Das Buch verfasste sie aus den gesammelten Eindrücken ihrer mehrmaligen Aufenthalte in dem slowakischen Kurort. 
Sie war Erwin Strittmatter in dem oft spannungsgeladenen Verhältnis der beiden untereinander stets eine ehrliche Kritikerin. Es war eine gemeinsame Arbeit, denn ihrer Anstrengung hinter den Kulissen seines Erfolges kam ein bedeutender Teil zu. Sie redigierte seine Romane, kümmerte sich um die Feinabstimmung, die Szenenanalyse, die Dramaturgie. Bei frühen agitatorischen Texten ihres Mannes hat sie sogar vom Druck abgeraten. Unermüdlich stand sie ihm bei, verehrte ihn für sein Können. Er liebte ihre Gedichte und war doch dann und wann auch eifersüchtig auf diese Begabung. 
 
Das, was sie schrieb, hatte nie die Gestalt von Texten, die die DDR-Führung von den Künstlern ihres Landes erwartete. Keine Spur von Politik und Gesellschaft. Immer waren es Gänge durch höchstpersönliche Seelenzustände. 
 
Eva Strittmatter war eine Frau mit einem sensiblen Gespür für die Töne und Farben ihrer Umwelt. In der märkischen Natur um Schulzenhof fand sie den Stoff, der ihre Dichtung so reichhaltig macht. Brandenburgs Landschaft war eben nicht nur Fontane eine Inspiration, sondern auch Eva Strittmatter und ihrem Mann. Die Jahreszeiten im Besonderen, in deren Beständigkeit sie ihre eigenen Empfindungen und Erlebnisse lyrisch spiegelte, fanden Eingang in das Werk der Schriftstellerin. Natur, das war für Eva Strittmatter immer wieder Halt und Trost und Atemholen. 
Strittmatter-Haus
Strittmatter-Haus
Ihre Texte sind keine avantgardistische Lyrik. Das müssen sie gar nicht. Sie bauen auf Reim, Rhythmus, Zeilenlänge. Es geht eigentlich nicht unbedingt um die Form, auch wenn viele ihrer Dichterkollegen das Verhaften im Reim bemängelt haben mögen. Bei Eva Strittmatter ist es diese Balance zwischen Sprachschönheit und Formschönheit, die ihre Gedichte wertvoll und wesentlich machen. Da hat sie sich auf vielfältige Weise von ihrem Mann angeregt gefühlt: im Blick auf ihre Motive sowie die Art, Beobachtungen in eine poetische Sprache zu transformieren. Poesie, das hatte für sie vor allem mit Präzision in der Anschauung zutun. Es ging nicht um gehobene Sprache. Das spürt und liest man auch in ihren Texten. Sie schrieb aus dem Alltag heraus und gegen den Alltag an. Es ist eine zutiefst bodenständige Sprache, die ihre sanfte Meisterlichkeit erst in der Genauigkeit ihrer beschriebenen Bilder entfaltet. Dabei dichtete sie nie für andere, sondern eigens für sich selbst. Sie kannte den schmerzhaften Prozess aufrichtiger Selbstbefragung, das Ich-Sagen, auf dem ihre Lyrik gründet.
 
Als sie 2011 in einem Berliner Krankenhaus verstarb, starb mit ihr ein ganzer privater lyrischer Kosmos. Sie selbst hatte so oft die Vergänglichkeit, das Loslassen, die alltäglichen, kleinen Tode in ihren Gedichten beschrieben. Und nachhaltig war die Erschütterung, als 1993/1994 innerhalb weniger Monate ihre Mutter, ihr Mann Erwin und der Sohn Matti starben. 
 
Doch man braucht nur eines ihrer Bücher aufzuschlagen, um sie wieder zu finden in den Gedichten über Grasnelken, Vogelzüge und Stille, die meistgelesene deutsche Lyrikerin der Gegenwart.
 
 
 
***** 

 

 

Quellen:
• Irmtraud Gutschke: Eva Strittmatter. Leib und Leben. 3. Auflage. Berlin: Aufbau 2012. 
• Eva Strittmatter: Sämtliche Gedichte. Berlin: Aufbau 2006. 
 
Bildquellen:
Vorschaubild, Abbildung Eva Strittmatter, erstellt von Winfried Neubert
Cover des Strittmatterbuches mit freundlicher Genehmigung vom Aufbau Verlag Berlin
Strittmatter-Haus, P. Unger

 

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