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Russi thematisiert in seinem neuen, einfühlsamen Roman die gesellschaftlichen und psychischen Probleme eines Jungen, dessen Leben von Unsicherheit und Angst geprägt ist.

Schloss Königs Wusterhausen

Schloss Königs Wusterhausen

Bianca Geurden

Schloss Königs Wusterhausen ist das Zeugnis einer langen, ereignisvollen Geschichte, die uns noch heute einen Aufschluss über das Leben Friedrich Wilhelms I., des Soldatenkönigs, gibt. Seine Mauern erzählen von vertrauten Abendenden des Tabakskollegiums und geben uns einen flüchtigen Einblick in das Wechselspiel von Familienleben, Staatsgeschäften und persönlichen Interessen preußischer Regenten. 1717 erhielt der Ort Wusterhausen zu seinen Ehren den „Königs"-Zusatz.
Friedrich Wilhelm I.
Friedrich Wilhelm I.
Wer Schloss Königs Wusterhausen aus der Ferne betrachtet, dem fällt sogleich auf, dass das denkmalgeschützte Gebäude im Dahme-Seenland als recht kompakt beschrieben werden könnte. Nicht weiter verwunderlich, denn das Schloss war ursprünglich eine Wasserburg, die erstmals 1382 Erwähnung fand. Genau zwei Jahrhunderte später, im Jahre 1682, erwarb es Friedrich Wilhelm von Brandenburg - auch der Große Kurfürst genannt - und schenkte es zu Weihnachten seinem noch zehnjährigen Sohn, Friedrich Wilhelm I.
Friedrich war ein zielgerichteter Pragmatiker. Anders als sein Vater, der für seine verschwenderi-schen Neigungen bekannt war, konzentrierte sich der Soldatenkönig auf eine „schlanke" Staatsverwaltung. Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand darin, den Großteil der angestellten Künstler zu entlassen, Gehälter zu kürzen und die Schlösser seines Vaters zu verkaufen. Schloss Wusterhausen blieb jedoch in seinem Besitz, mehr noch, wurde beinahe zu seinem Hauptwohnsitz, da er es bis auf den Winter mit seiner Gemahlin Sophie Dorothea von Hannover bezog. Dort ging er seinen einzigen Vergnügungen nach: Der Jagd und dem Ausbau seiner Garde, den „Langen Kerls".
Tabakskollegium Friedrich Wilhelms I.
Tabakskollegium Friedrich Wilhelms I.
       
Diese waren ursprünglich Soldaten des altpreußischen Infanterieregiments, die nach dem Tod des Kurfürsten dessen Sohn unterstellt waren. Nach Friedrichs Ernennung zum König wurde die Infanterie 1713 zum Leibregiment erhoben, die meisten von ihnen gehörten zu seinen Jagdbegleitern oder waren junge, angeworbene Männer. Mit ihrer vorgeschriebenen Größe von 1,88 m (6 Fuß) flößten sie fortan jenen Furcht ein, die sich gegen einen Dienst für Preußen aussprachen.
Wenn sich Friedrich Wilhelm I. nicht mit seinem Jagdwildbestand beschäftigte, für den er 1725 den Tiergarten Neue Mühle anlegte, dann genoss er die Abende mit seinem Tabakskollegium unter angesehenen Militärs, Diplomaten, Reisenden oder Gelehrten. Heute ist der Raum, in dem die Männer zusammen kamen, nach einem Gemälde von 1737 gestaltet und zeigt somit die typisch schlichte Einrichtung des Soldatenkönigs.
Doch nicht für alle war Schloss Wusterhausen ein Ort schöner Erinnerungen und fröhlicher Gesell-schafsabende. Friedrich, der einen Gegensatz zu seinem leichtlebigen Vater bildete, zeichnete sich gegenüber seinen Kindern durch Strenge und Härte aus. Seine Erziehung gipfelte schließlich nach dem vereitelten Fluchtversuchs seines Sohnes, Friedrich II., in dessen Inhaftierung und der Hinrich-tung des Fluchtgefährten und Freundes, Hans Hermann von Katte. Den Erlass unterschrieb er 1730 in Wusterhausen.

Nach Friedrich Wilhelms Tod im Jahre 1740 ging das Schloss in die Hände Friedrichs II. über. Da dieser mit Wusterhausen keine positiven Erfahrungen gemacht hatte, ließ er das Gebäude zunehmend verfallen und kümmerte sich stattdessen um den Ausbau von Sanssouci in Potsdam. Im 19. Jahrhundert wurde dem Schloss vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. und seinem nachfolgenden Bruder, Wilhelm I., neues Leben eingeflößt. Glanz erhielt es durch eine an die Epoche angepasste Ausstattung, die 1990 jedoch wieder mit authentischem Mobiliar aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. ausgewechselt wurde.

Bis zu den Restaurierungsarbeiten 1991 erfuhr Schloss Wusterhausen einen raschen Wechsel von Bewohnern und Verwendungszwecken: Im Zweiten Weltkrieg wurde es als Lazarett und Auslage-rungsdepot für das Kunstgut aus dem Hohenzollernmuseum Schloss Monbijou gebraucht, 1945 war es Sitz der sowjetischen Militäradministration, ab 1947 diente es als Berufsschule der Deutschen Finanzverwaltung. 10 Jahre später wurde es von der sowjetischen Nachrichteinheit als Standort benutzt. Erst im Jahre 2000 wurden Schloss und Garten durch die Unterstützung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Aktuell ist Schloss Wusterhausen eine Stätte der Erinnerung, Kultur und Kreativität. Regelmäßig finden Handwerksmärkte, Ausstellungen und Konzerte statt, die den Besucher in die Wohnräume Friedrich Wilhelms I. führen. Bemerkenswert sind insbesondere die selbst errichteten Gemälde des Soldatenkönigs, der im späten Alter mit dem Malen begann - und das, obwohl er sich in seiner Jugend einst gegen die Verschwendung und den Müßiggang der Kunst ausgesprochen hatte.

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Quellen:

- Friedrich Wilhelm I., Wikipedia - gemeinfrei
- Schloss Königs Wusterhausen, Autor: A.Savin; Wikipedia (CC BY-SA 3.0)
- Tabakskollegium Friedrich Wilhelms I. von Preußen, 1737, Wikipedia - gemeinfrei

 

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Schloßpl. 1
15711 Königs Wusterhausen

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