Brandenburg-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Brandenburg-Lese
Unser Leseangebot

Die verlassene Schule bei Tschernobyl - Lost Place

Nic

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Die freigesetzte Radioaktivität entsprach dem zehnfachen der Atom-Bombe von Hiroshima 1945. Erst drei Tage später wurde die 3 km entfernte Stadt Prypjat evakuiert und alle Bürger mussten ab 14 Uhr "vorübergehend" ihren Wohnort verlassen. Seither ist die Mittelschule der Stadt verwaist.

30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Doch genau die machen den Ort sehenswert. Der Großteil der Mittelschule ist in einem unberührten Verfallszustand. Die Wände verlieren ihre Farbe, die alten Schulbücher erinnern an den einstigen Schulalltag. Das Heft zeigt Klassenräumen, Flure, die Turnhalle und die große Schulaula.

Das Heft bietet in der Mitte ein doppelseitiges Poster.

ISBN: 978-3-86397-121-2

Preis: 3,00 €

Friedrichswalde

Friedrichswalde

Almut Philipp

Im Holzschuhmacherdorf

Am Rand der Schorfheide, im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, liegt Friedrichswalde. Der auf alten Landkarten vorkommende Name „Königliche Buchheide“ verweist noch auf die alten Buchenwälder der Uckermark. Heute bezeichnet die Buchheide ein Naturschutzgebiet in der Uckermark.

Der eigentlich kleine Ort Friedrichswalde zeigt sich ungewöhnlich weitläufig und großzügig angelegt. Er hat auch einen großen Namen, denn sein Namensgeber war Friedrich II. (der Große). Seit 2002 gehören der Ortsteil Parlow-Glambeck und kleinere Wohnplätze zu Friedrichswalde, das vom Amt Joachimsthal verwaltet wird.

Das Gebiet des späteren Friedrichswaldes war dünn besiedelt und von Waldungen umgeben, Grenzen und Gewässerläufe wurden an den Bäumen kenntlich gemacht. Die Landesherren Ende des 16 Jahrhunderts gingen dazu über, einen Wildzaun von der Havel bis zur Oder zu errichten, um das Abwandern des Wildes zu verhindern. Ende des 17. Jahrhunderts wurde er durch angesiedelte Zaunsetzer erneuert.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren viele brandenburgische Ländereien nicht mehr besiedelt. Die Gegenden waren unbewohnbar geworden und wurden zur „wüste Mark“. Friedrich II. machte Brachland urbar. Er ließ ab 1747 das Oderbruch entwässern, wodurch Zehntausende Hektar landwirtschaftlich nutzbar gemacht wurden. Viehwirtschaft, Anbau von Getreide, Kartoffeln und Gemüse wurde in großem Umfang möglich. In dieser Zeit gab es viele Ortsgründungen, Zuwanderer aus vielen europäischen Regionen wurden als Kolonisten in die Dörfer geholt.

Alles nach Plan

Friedrichswalde ist eine geplante Ansiedlung. In der Umgebung zweier Zaunsetzerstellen wurde der Wald gerodet und eine der größten, zu Zeiten Friedrichs angelegten Siedlungen, entstand.

Die bis heute erhaltene Struktur mit der Kirche in der Mitte beruht auf dem Plan Friedrichs II. Im Jahr 1748 wurden per Befehl Friedrich II. dreißig bäuerliche Erstsiedlerfamilien aus Kurpfalz und Rheinhessen angesiedelt. Dies weiß man so genau, weil die Liste der ersten Kolonisten überliefert ist. Zwanzig Jahre später kamen weitere zweiundzwanzig Familien, sogenannte Bündnerfamilien, Besitzer kleiner Ländereien aus dem nördlichen Deutschland, an. Gegen Privilegien durften sie das Land bearbeiten. Aus dieser Zeit ist auch die bis heute breite Dorfstraße mit den ehemals vielen Bauernhöfen erhalten, die seit 1749 von Linden gesäumt wird.

Holz zum Laufen

Neben der Landwirtschaft brachten die Kolonistenfamilien jedoch auch das Handwerk nach Friedrichswalde. Besonders die Flamen brachten das Holzhandwerk mit. Obwohl Friedrich II. das gewerbliche Handwerk auf dem Land verboten hatte, entstand eine ausgeprägte Holzschuhmacherkunst im Ort, die zum Lebensunterhalt beitrug. Es wurden viele Artikel aus Holz gefertigt. So wie es die umliegenden Wälder und Sträucher hergaben, entstanden neben den Holzschuhen auch Krebskörbe und sogenannte Kaliten − leichte Körbchen aus Weidenholz mit Deckel für die Land- und Waldarbeiter. Bis heute sind dies typische uckermärkische Produkte.

An die 200-jährige Geschichte der Holzschuhmacherei im einstmals größten deutschen Holzschuhmacherdorf erinnert das 2008/09 entstandene Holzschuhmacherzentrum im ehemaligen Pfarrhof in der Dorfstraße. Ursprünglich war das Handwerk reine Handarbeit. Die als Klompen bezeichneten Holzschuhe wurden aus Erlen, Pappeln oder Weiden produziert, ab 1928, z. T. auch maschinell. Das Holzschuhmacherhandwerk wiederum wurde erst 1934 als Handwerk anerkannt. Noch weitere vierzehn Jahre stellte die 1940 erbaute Holzschuhfabrik Holzschuhe her. In einer Schauwerkstatt werden die Arbeitsschritte zum Teil mit historischen Spezialwerkzeugen vorgeführt und Herstellung und Geschichte erlebbar gemacht. Ein historischer Film zeigt Episoden aus der Geschichte der Holzschuhmacherherstellung. Es werden sogar Schuhe in Kinder- und Erwachsenengrößen zum Erwerb angeboten.

Heute begrüßt am Ortseingang der Holzmacher Johann die Besucher von Friedrichswalde. Als einstmals größtes deutsches Holzschuhmacherdorf darf die Gemeinde seit 2013 den Zusatz „Holzschuhmacherdorf“ führen.

Direkt an der Werkstatt findet sich unübersehbar eine Wandbemalung, die eine Hommage an die Geschichte des Ortes und seinen Namenspatron Friedrich II. darstellt.

Gottesdienst und Bikertreffen

Weithin sichtbar und gleich gegenüber dem Holzschuhmacherzentrum steht ein anderes Wahrzeichen des Ortes. Die Reformationskirche St. Michaelis. Ein früherer Kirchenbau geht auf das Jahr 1647 zurück, als im 30-jährigen Krieg viele Siedlungen und Orte zerstört wurden. Teile der Trümmer finden sich im Fachwerkbau aus den Jahren 1776−1783, aus dieser Zeit stammt auch die Kanzel. 1830 erhielt die Kirche einen spitzen Turm, das Fachwerk wurde 1890 mit Backstein ummantelt. Im Jahre 1956 wurde die Kirche um vier Meter verkürzt. Heute ist die Kirche vor allem wegen des jährlichen Bikertreffens mit einem Motorradgottesdienst weithin bekannt, ein Fest mit Kirchplatzparty und Hunderten Motorrädern, die die Straßen säumen. Im Inneren befindet sich eine Empore aus Holz in Hufeisenform. Die 1905 gebaute Orgel geht auf die heute in Dresden ansässige Firma Gebrüder Jehmlich zurück.

 

*****
Fotos: Almut Phillipp

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Petzow
von Dörte Suhling
MEHR
Falkensee
von Dörte Suhling
MEHR
Templin
von Michael Lemke
MEHR
Zeuthen
von Dörte Suhling
MEHR
Gransee
von Michael Lemke
MEHR
Werbung
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen