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Über Werte und Tugenden

Florian Russi

Mehr denn je wird über die althergebrachten Werte und Tugenden diskutiert. Sind Tugenden und Werte Begriffe aus der Klamottenkiste oder bestimmen sie auch heute noch unser Handeln? 

Die Prignitz

Die Prignitz

Dörte Suhling

Brandenburgische Kulturlandschaft zum Entschleunigen, Erholen und Verweilen

Sohlgleite („Fischtreppe“)
Sohlgleite („Fischtreppe“)

Wer von Berlin in Richtung Hamburg unterwegs ist, fährt unweigerlich durch die flachwellige Altmoränenlandschaft im äußersten Nordwesten Brandenburgs, das von den Flüssen Elbe, Havel, Dosse und Elde natürlich begrenzt wird: die Prignitz. Die zu den ältesten Kulturlandschaften von Brandenburg zählende Region lässt sich am besten mit dem Rad erkunden.

So unterwegs, rastet man in der eher dünn besiedelten Region vor imposanten Herrenhäusern oder mittelalterlichen Burgen, lernt historische Kleinstadtkerne kennen oder erlebt den herben Charme der Region im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg, das neben der fantastischen naturräumlichen Ausstattung an vielen Stellen durch eine lebendige Geschichte beeindruckt . Die als „Vogelparadies“ geltende Prignitz ist Lebensraum für seltene Vogelarten wie z. B. Turmfalken, Fischreiher oder Kraniche.

Bis ins 12. Jahrhundert stark umkämpft

Die Prignitz bildete eine lange Zeit keine politische Einheit. Ursprünglich wurde das Land, das von Flüssen Rhin, Dosse, Jäglitz, Löcknitz und Stepenitz in verschiedene kleine Herrschaftsgebiete zerschnitten wird, von den Slawen besiedelt, die die verschiedenen Landschaftsteile der Prignitz zum Teil schon mit Burgen befestigt hatten. Der Name „Prignitz“ stammt vom slawischen Wort „pregynica“, was so viel wie „undurchdringlicher Wald“ bedeutet.

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts wurde zum Kreuzzug aufgerufen, um die östlich der Elbe lebenden „Heiden“ gewaltsam zu bekehren. Zu den neuen Herren gehörten u. a. die Bischöfe von Havelberg, die daraufhin das Gebiet um Wittstock/Dosse ihr Eigen nannten, sowie die adligen Familie Gans zu Putlitz und von Plotho, die die Gebiete zwischen Lenzen und Perleberg bzw. die Städte Kyritz und Wusterhausen/Dosse beanspruchten.

Perleberg – Hauptstadt der Prignitz

Feld zur Zeit der Klatschmohnblüte bei Kuhbier, westlich von Pritzwalk in der Prignitz
Feld zur Zeit der Klatschmohnblüte bei Kuhbier, westlich von Pritzwalk in der Prignitz

Perleberg gehörte schon im Mittelalter zu den wichtigsten und reichsten Handelsstädten im brandenburgischen Raum. Noch heute erinnert eine riesige, etwa fünf Meter hohe Steinfigur auf dem Markt an die Bedeutung der Stadt in dieser Zeit. Der „Heilige Roland von Perleberg“ wurde zum Schutz der Bewohner der Stadt und ihrer Privilegien errichtet.

In der auf einer kleinen Insel inmitten des Flusses Stepenitz angelegten Stadt trafen sich die Fürsten und Herrscher der Nachbarländer, um zu beraten oder Verträge abzuschließen. Über Stepenitz und Elbe konnten der Handel mit dem Nord- und Ostseeraum betrieben werden. Heute ist Perleberg mit etwa 12 200 Einwohnern nach Wittenberge nicht nur die zweitgrößte Stadt, sondern auch Kreisstadt das Landkreises Prignitz.

Kyritz – wo Nick Knatterton zu Hause ist

Die malerische Kleinstadt Kyritz bietet bis in die heutige Zeit viel Stoff für fantasievolle Geschichten. Neben alten Fachwerkhäusern fallen dem Besucher auf dem Marktplatz von Kyritz sofort eine im englischen Tudorstil erbaute Burg sowie verschiedene Jugendstilgebäude ins Auge.

Die Kleinstadt Kyritz, im 14. Jahrhundert Mitglied der Hanse und heute ein Partner im Verbund der „Neuen Hanse“, ist ein gutes „literarisches Pflaster“. So stammt z. B. das Vorbild für Theodor Fontanes berühmtesten Roman „Effi Briest“ aus den Reihen der Stadtherren, der Familie von Plotho. Andererseits soll laut dem Zeichner Manfred Schmidt auch Nick Knatterton, ein erfundener Detektiv und Comic-Held, der seit den 1950er-Jahren als Parodie zu den amerikanischen Superhelden in Erscheinung tritt, in Kyritz „an der Knatter“ seinen Ursprung haben. Bis zur Erfindung von Funk und Fernsehen brachten auch Reisende immer wieder interessante Geschichten mit.

Die an einer von Berlin über Schwerin und Lübeck nach Hamburg führenden Straße gelegene Kleinstadt war einst Münz- und Zollstelle der Markgrafen von Brandenburg, was den Bürgern der Stadt einen gewissen Wohlstand einbrachte.

Burg Lenzen im ständigen Kampf

Waldlandschaft bei Stepenitz
Waldlandschaft bei Stepenitz

Die geschichtsträchtige Burg Lenzen, in der um 1223 Waldemar II. und sein Sohn von der Koalition der norddeutschen Fürsten über drei Jahre lang gefangen gehalten wurden, hat sich heute dem Naturschutz verschrieben. Denn sowohl Burg und Turm, die weithin über die Elbniederung sichtbar sind, als auch die Stadt zu ihren Füßen mussten sich Jahrhunderte lang nicht nur gegen verschiedene Angreifer verteidigen, sondern auch des Wassers des Flusses Löcknitz erwehren.

Das „Rambower Moor“ nahe der Stadt Lenzen wurde 2014 als Teil des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg zu einem von „Deutschlands schönsten Naturwundern“ gekürt.

Die Störche – einzigartig in der Prignitz

Dass sich die Störche in der Prignitz besonders zu Hause fühlen, beweisen die jährlich wiederkehrenden Storchenpaare. Besonders das Dorf Rühstädt hat es den „Adebars“ angetan. Mehr als 30 Storchenpaare nisten hier jedes Jahr. In den Niederungen der Elbauen finden sie für ihren Nachwuchs reichlich Nahrung.

Die Einwohner von Rühstädt, das 1996 offiziell zum „Europäischen Storchendorf“ benannt wurde, kümmern sich rührend um ihre gefiederten Gäste. Sie bauten Nisthilfen und sorgen dafür, dass sich seit den 1950er-Jahr jedes Jahr mehr Storchenpaare im Dorf ansiedeln.

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Bildquellen:

Vorschaubild, Storchendorf Rühstädt an der Elbe, Prignitz, Brandenburg.Urheber: Lienhard Schulz via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Schlatbach, Prignitz-Brandenburg, Sohlgleite („Fischtreppe), Urheber: Lienhard Schulz via Wikimedia Commons(CC BY-SA 3.0)

Wiese oder Feld zur Zeit der Klatschmohnblüte bei Kuhbier, westlich von Pritzwalk in der Prignitz, Brandenburg. Urheber: Lienhard Schulz via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Waldlandschaft bei Stepenitz, Prignitz, Brandenburg fotografiert im Mai 2005 von Lienhard Schulz Urheber: Lienhard Schulz via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

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