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André Barz
Kennst du E.T.A. Hoffmann?

"Erlaubst du, geneigter Leser, ein Wort? Hättest du nicht Lust auf einen Tee oder eine heiße Schokolade? Vielleicht magst du aber auch lieber einen Punsch, so wie ich?"

Dieses Buch, versehen mit allerlei Bildern und Zeichnungen, macht es leicht E.T.A. Hoffmann kennenzulernen. Das Beste daran ist, der "erste Fantasy-Dichter" erzählt ganz persönlich sein Leben, davon, wie er eigentlich Musiker werden wollte und dann doch Schriftsteller geworden ist, obwohl ihn das nie interessiert hat, und von seinen Erfahrungen mit der Liebe. Nebenbei gibt er einige seiner Märchen und Erzählungen zum besten.

Sabinchenstadt Treuenbrietzen

Sabinchenstadt Treuenbrietzen

Dörte Suhling

Idyllische Kleinstadt im Südwesten Brandenburgs

Wer mittelalterliche Stadtbilder mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern, mit historischem Ortskern und alter Stadtbefestigung und mit aus rotem Backstein errichtete Kirchen mag, der sollte der brandenburgischen Kleinstadt Treuenbrietzen unbedingt einen Besuch abstatten. Den Beinamen „Sabinchenstadt“ erhielt Treuenbrietzen nach der Ballade „Sabinchen war ein Frauenzimmer“, einem deutschem Volkslied, in dessen Strophen die Stadt erwähnt wird.

Als Mitglied der AG „Städte mit historischen Stadtkernen in Brandenburg“ ist die märkische Stadt nicht nur für ihre heute etwa 7 500 Einwohnern liebenswerter Lebensmittelpunkt, sondern auch für Gäste und Besucher ein sehenswertes Ausflugsziel mit landschaftlich reizvoller Umgebung. Neben den weiten Wäldern des Flämings, einem während der letzten Eiszeit entstandenen Landrücken, lädt insbesondere der die Stadt umschließende Naturpark Nuthe-Nieplitz mit einer einzigartigen und zum Teil noch unberührten Tier- und Pflanzenwelt zu Ausflügen in die freie Natur ein.

Lange und spannende Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1208 und geht auf die damalige auf einem slawischen Wall errichteten Askanierburg zurück. Der nächste geschichtliche Eintrag erfolgte gegen Ende des 13. Jahrhunderts, als die beiden um die Kirchen St. Nikolai und St. Marien entstandenen Siedlungen zusammengelegt wurden und 1290 als „Brezne“ offiziell Stadtrecht erhielt. Kurz darauf entstand die Stadtbefestigungsanlage mit Stadtmauer und drei Stadttoren. Zwar wurde ein großer Teil der mittelalterlichen Stadtbebauung während des Dreißigjährigen Krieges und danach bei einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1716 zerstört, beim Wiederaufbau ließen sich allerdings die vorhandenen Grundmauern des Mittelalters wiederverwenden. So entstanden im 18. Jahrhundert sehr viele Lager- und Handelshäuser als Fachwerkbauten, darunter auch eines der ältesten heute noch erhaltenen Fachwerkhäusern in Brandenburg, das Gildenhaus.

Die Industrialisierung bringt Veränderung

Bis zum Beginn der Industrialisierung lebten die Menschen in Treuenbrietzen vor allem von der Landwirtschaft und dem Weinbau. Allein um die Stadt gab es damals über 80 Weinberge. Die günstige Lage an der Kreuzung der Handelswege von Leipzig nach Berlin sowie von Magdeburg und dem in der damaligen Zeit wirtschaftlich sehr bedeutenden Jüterbog ermöglichte die Ansiedlung des Tuchmachergewerbes in der Stadt.

Die neu entstandenen Tuchmachermanufakturen lieferten im 19. Jahrhundert ihre Tücher nicht nur bis in die Schweiz, sondern stellten auch auf der Leipziger Messe aus. Doch mit den im nahegelegenen Luckenwalde errichteten industriell betriebenen Textilfabriken konnten die Handwerker in Treuenbrietzen nicht konkurrieren. Einen nennenswerten Aufschwung erfuhr die inzwischen mit einigen Verwaltungsfunktionen betraute Kleinstadt, in der 1927 eine der ersten Tuberkuloseheilstätten in Deutschland eingeweiht wurde, erst mit Ansiedlung von Munitionswerken in den naheliegenden Orten Sebaldushof und Selterhof Mitte der 1930-er Jahre. Beide Werke, in denen in den 1940-er Jahren auch Kriegsgefangene und Häftlinge aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen zwangsweise arbeiten mussten, wurden nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges geschlossen.

Heute gehören verschiedene Betriebe der Metallwarenindustrie, der Holzverarbeitung, der Bau-, Handels- und Dienstleistungsbranche sowie das Johanniter-Krankenhaus zu den größten Arbeitgebern in der Stadt.

Bedeutende Sehenswürdigkeiten der mittelalterlichen Stadt

Neben den beiden Pfarrkirchen St. Nikolai und St. Marien gehört insbesondere das historische Rathaus zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des mittelalterlichen Treuenbrietzen. Es wurde um 1290 erstmals erwähnt und danach mehrfach umgebaut. Heute zählt das Rathaus, das in das Ensemble der stadtbildprägenden Großstraße eingebunden ist, zu den ältesten noch erhaltenen Gebäuden der Stadt. Die ehemalige Heilig-Geist-Kapelle, einst Zufluchtsort für Durchreisende oder verarmte Handwerker, wird heute als Heimatmuseum genutzt. Der Pulverturm ist der letzte Wehrturm der Stadtbefestigungsanlage. Die Preußische Postmeilensäule, die 1802 am Kreuzungspunkt der wichtigsten Handelswege aufgestellt wurde, befindet sich heute am Heimatmuseum.

„Sabinchen war ein Frauenzimmer“

Der Beinamen „Sabinchenstadt“ erhielt Treuenbrietzen nach der „Moritat von Sabinchen“, die in verschiedenen Versionen erzählt wird. Der Legende nach ist Sabinchen eine unholde Magd, die sich mit einem mittellosen Schusterjungen aus Treuenbrietzen einließ. Er, sie oder beide stahlen daraufhin die Löffel der Herrschaft, wurden entdeckt und Sabinchen aus dem Hause gejagt. Um die Schimpfereien der Magd zu beenden, schnitt der Schuster Sabinchen kurzerhand mit einem Rasiermesser die Kehle durch. Er wurde verhaftet, gestand die Untat, und die Moritat endet mit: „Trau keinem Schuster nicht! Der Krug, der geht so lange zum Brunnen, bis dass der Henkel abbricht.“

Der aus Treuenbrietzen stammende Künstler Lothar Sell (1939–2009) schuf 1984 im Rahmen der Umgestaltung der 1913 errichteten Brunnenanlagen die Sabinchenfigur. Diese war als Ersatz für die Bronzestatue von Kurfürst Friedrichs I. gedacht, die für Rüstungszwecke eingeschmolzen wurde. Heute steht der „Sabinchenbrunnen“, der längst Wahrzeichencharakter für Treuenbrietzen erlangt hat, unter Denkmalschutz. Zu Ehren der „unholden Magd“ finden jedes Jahr im Juni die 10-tägigen „Sabinchenfestspiele“ in Treuenbrietzen statt.

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Vorschaubild: Treuenbrietzen, Brandenburg, historische Häuser, 2004, Urheber: Lienhard Schulz via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Historische Stadtmauer Treuenbrietzen, Teil des brandenburgischen Baudenkmals, 2017, Urheber: Radler59 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Stadtpark Treuenbrietzen, 2018, Urheber: Assenmacher via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Rathaus mit Sabinchenbrunnen, 2007, Urheber: Kidcreole via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Sabinchen war ein Frauenzimmer, Erste Seite des ältesten Textdrucks (1849), Urheber unbekannt; Quelle: Musenklänge aus Deutschlands Leierkasten, Leipzig 1849, S. 96 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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