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Brandenburg an der Havel - Wiege eines ganzen Landes

Brandenburg an der Havel - Wiege eines ganzen Landes

Dörte Suhling

Brandenburg an der Havel ist eine kreisfreie und die drittgrößte Stadt im Westen des Bundeslandes Brandenburg. Die Namensgleichheit von Stadt und Land lässt sich aus der über tausendjährigen Geschichte der Stadt an der Havel ableiten, die oft auch als „Wiege eines ganzen Landes“ bezeichnet wird. Im Gründungsort der Mark Brandenburg sind in den drei Stadtkernen Altstadt, Neustadt und Dominsel heute noch verschiedene historische Zeugnisse sichtbar. Eingebettet in die Wasserlandschaft der Havelseen, einem der größten Wassersportreviere Europas, und von vielen Kanälen und Wasserläufen durchzogen, ist der Vergleich zwischen der wasserreichsten Stadt Brandenburgs und dem italienischen Venedig nicht ganz unbegründet.

Die Nähe und verkehrsgünstige Anbindung der Stadt zu den Großstädten Berlin und Potsdam, die sich bequem in 45 bzw. 25 Minuten Autofahrt erreichen lassen, macht Brandenburg an der Havel nicht nur für die über 72 000 Einwohnerinnen und Einwohner, sondern auch für viele Gäste besonders attraktiv.

Stadt mit lebendiger Geschichte

Nur wenige deutsche Städte können wie Brandenburg auf eine über 1 000-jährige Geschichte zurückblicken. Nachdem Heinrich I. (919–936) die vormals von Slawen besiedelte Region erobert hatte, wurde Brandenburg in einer Stiftungsurkunde des Bistums Brandenburg 948 erstmals erwähnt. Im selben Jahr entstand der Vorläufer des heutigen Doms. 1157 übernahm Albrecht der Bär als erster „Markgraf von Brandenburg“ die Macht, was heute als die Gründung der „Mark Brandenburg“ gilt.

In den Folgejahren entstanden mit dem Bau des heutigen Brandenburger Doms auf der Dominsel (um 1165), der Altstadt (1170) am westlichen Havelufer und der Neustadt (1196) am östlichen Havelufer die drei Siedlungskerne der Stadt. Der Beitritt zur Deutschen Hanse Anfang des 14. Jahrhunderts bescherte der Stadt nicht nur einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Brandenburg an der Havel entwickelte sich zur bedeutendsten Stadt der Mark Brandenburg, wurde oberste Gerichtsbehörde und Hauptstadt. Seit 1474 symbolisiert die Ritterstatue des „Brandenburger Roland“, die ursprünglich auf dem Neustädter Markt und heute vor dem Altstädter Rathaus steht, die städtischen und freiheitlichen Rechte der damaligen Hansestadt.

Die Zeit der Industrialisierung

Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges waren auch in Brandenburg stark spürbar, die Einwohnerzahl der Stadt sank von ca. 10 000 auf etwa 3 000 Menschen und damit auch die Bedeutung als Hauptort der Mark Brandenburg. Dagegen konnte auch die 1715 von Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) angeordnete Vereinigung der noch selbstständigen Brandenburger Stadtteile nichts ändern. Mit der einsetzenden Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Fabriken, die Bevölkerungszahl stieg und Brandenburg wurde Verkehrsknoten, Zentrum der metallverarbeitenden und der Rüstungsindustrie.

Auch zu DDR-Zeiten gehörte das Brandenburger Stahl- und Walzwerk sowie das 1980 eingeweihte Elektrostahlwerk zu den bekanntesten Industriewerken. Die Bevölkerungszahl, die bis 1989 kontinuierlich bis auf etwa 100 000 Menschen angestiegen war, sank 1990 mit der einsetzender Privatisierung und teilweisen Stilllegung ehemals volkseigener Betriebe. Viele Brandenburger verloren ihren Arbeitsplatz und kehrten der Stadt den Rücken.

Heute ist die Stadt Brandenburg, die seit 1993 offiziell den Namenszusatz „ an der Havel“ trägt, eines von vier Oberzentren im Bundesland Brandenburg, in der sowohl die Generalstaatsanwaltschaft und das Oberlandesgericht des Landes als auch eine Fachhochschule beheimatet sind.

Brandenburger Dom und Kirchen

Der Brandenburger Dom ist nicht nur dominierendes Bauwerk, sondern auch einer der drei Stadtkerne. 1170 begann der Bau des heutigen Doms St. Peter und Paul, dessen 948 errichteter „Vorgänger“ als die eigentliche Wiege Brandenburgs gilt.

Der Brandenburger Dom hat zwei Besonderheiten: Zum einen ist er der erste vollständig aus unverblendetem Backstein errichtete Kirchenbau, was für die damalige Zeit, wo vorwiegend mit Feldsteinen gebaut wurde, eher ungewöhnlich war. Zum anderen ist heute noch die 1723 von Joachim Wagner (1690–1749), einem Gesellen Gottfried Silbermanns (1683–1753) gefertigte Spätbarockorgel im Dom zu bewundern.

Zu den bekanntesten Brandenburger Kirchen gehören die St. Katharinen- und die St. Gotthardtkirche. Die im Stil norddeutscher Backsteinkunst erbaute St. Katharinen-Kirche ist der größte Brandenburger Kirchenbau. Die ursprünglich aus Feldsteinen errichtete St. Gotthardtkirche wurde Anfang des 15. Jahrhunderts bis auf die Grundmauer abgerissen und im spätgotischen Stil wiederaufgebaut.

Durch Brücken verbunden

Brandenburg an der Havel hat viele Brücken. Die 1929 anlässlich des 1000. Stadtgeburtstags eingeweihte Jahrtausendbrücke sollte dem weiteren Zusammenwachsen der Bewohner von Alt- und Neustadt dienen. Nach Sprengung 1945 und Wiederaufbau im Jahr 1947 musste die Brücke 1993 aus Sicherheitsgründen abgerissen werden. Die neugebaute Jahrtausendbrücke konnte Ende 1996 eingeweiht werden. Weitere bekannte Brandenburger Brücken sind die Lange und die Bauchschmerzenbrücke.

Berühmter Sohn der Stadt

Brandenburg an der Havel ist die Heimatstadt des wohl bekanntesten deutschen Humoristen Victor von Bülow, kurz Loriot (1923–2011), der 1993 Ehrenbürger der Stadt wurde. Heute erinnert vieles in der Stadt an den Künstler. In Anlehnung an den Sketch „Der scheue Waldmops“ und das Loriot-Zitat „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“ treffen Besucher beim Stadtrundgang z. B. auf über 20 Waldmöpse, ringelschwänzige, gehörnter Hundeähnliche. Zudem wurden in der Stadt mehrere Holzbänke aufgestellt, die, mit z. T. lebensgroßen Loriot-Figuren verziert, an den berühmten Sohn der Stadt erinnern.



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Vorschaubild: Stadtansicht 2015 mit Katharinenkirche, 2015, Urheber: Queryzo via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Bild Heinrichs I. in der anonymen Kaiserchronik für Kaiser Heinrich V., um 1112/14 (Corpus Christi, Cambridge, Ms 373, fol. 40r), Quelle: Gudrun Vögler: König Konrad I. : (911–918). Konrad I. - der König, der aus Hessen kam. Aus Anlass des Wissenschaftlichen Symposions König Konrad I. Auf dem Weg zum "Deutschen Reich"?, Fulda, 21.–24. September 2005, S.60; bereitgestellt von: ArisMethymna via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Roland in Brandenburg an der Havel, 2004, Urheber: Weingartz, Hans; bereitgestellt von: Slomox via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Dom St. Peter und Paul, 2014, Urheber: Julian Nyča via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Einweihung der Jahrtausendbrücke am 7. September 1929, Urheber: unbekannt; Quelle: Das Bundesarchiv; bereitgestellt von: BArchBot via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 de.

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