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B-Z! Das ist nett! (Teil 2)

Dresdner Schrift-Sprach-Erwerb - 3. Heft

Anne Volkmann und Annett Zilger

Arbeitsheft zum Schreibenlernen

Das Arbeitsheft beinhaltet die Erarbeitung und Positionsanalyse aller noch fehlenden Konsonanten. Diese werden in Silben, Wörtern und Texten gelesen und geschrieben

Paulinenaue

Paulinenaue

Dörte Suhling

Dorfidyll im Havelländischen Luch

Die Gemeinde Paulinenaue liegt auf einer Talsandinsel inmitten des Niederungsgebietes des Havelbogens, dem Havelländischen Luch. Administrativ ist der Ort, in dem heute wieder knapp 1 300 Einwohnerinnen und Einwohner leben, dem Amt Friesack im brandenburgischen Landkreis Havelland zugeordnet. Zu DDR-Zeiten gehörte Paulinenaue zwischen 1952 und 1990 zum Kreis Nauen im Bezirk Potsdam.

Das ca. 50 Kilometer westlich gelegene Zentrum von Berlin ist aufgrund der guten Verkehrsanbindung des Ortes mit dem PKW in gut einer Stunde, mit der Bahn sogar schon nach etwa 40 Minuten Fahrt erreichbar. Deshalb, und wegen der landschaftlich reizvollen Landschaft inmitten einer fast noch unberührten Natur des Havelländischen Luchs, ist Paulinenaue nach wie vor ein beliebter Wohnort für Pendler in die größte deutsche Metropole.

Wie Paulinenaue zu seinem Namen kam

Auch wenn sich durch archäologische Funde eine Besiedlung des Gebietes schon zu Zeiten des Römischen Reiches nachweisen lässt, stammt die erste urkundliche Erwähnung der Gemarkung aus dem Jahr 1390. Damals verkauften die von Bredows, ein altes mittelmärkisches Adelsgeschlecht, Ländereien in der Region an das Bistum Brandenburg.

Belegt ist außerdem, dass im 16. Jahrhundert die Gebrüder von Bardeleben verschiedene Viehhöfe und Vorwerke im Havelländischen Luch betrieben. Eins davon, die „Bardelebener Meierei“, wurde am 30. April 1833 anlässlich ihrer Hochzeit mit Friedrich Wilhelm von Knoblauch (1798–1852) nach Pauline von Bardeleben (1811–1884) benannt und trug fortan den Namen Paulinenaue.

Der Aufschwung kam mit der Bahn

Mit der Eröffnung der Bahnlinie von Berlin nach Hamburg 1846 mit Halt in Paulinenaue gewann das einstige Vorwerk weiter an Bedeutung. Die in der Meierei erzeugten Produkte ließen sich gut und bequem an die Reisenden verkaufen.

Die Paulinenaue-Neuruppiner-Eisenbahn, eine Kleinbahn, die im Volksmund auch die „Stille Pauline“ genannt wurde, verband zwischen 1880 und 1970 die Orte Paulinenaue und Fehrbellin mit der Kreisstadt Neuruppin. Auch eine weitere Bahnlinie, die Kreisbahn von Rathenow über Senzke nach Nauen mit Halt in Paulinenaue, bescherte den Einwohnerinnen und Einwohnern von Paulinenaue gute Absatzmöglichkeiten.

Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Trockenlegung der größtenteils vermoorten Lachlandschaft um Paulinenaue. Nach erfolgreicher Melioration siedelten sich verschiedene Gartenbaubetriebe in und um die Gemeinde an. Besonders der Anbau von Erdbeeren machte das Dorf auch über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Das führte dazu, dass in Paulinenaue 1912 ein eigenständiger Gutsbezirk entstand und der Ort eine selbstständige Gemeinde wurde.

Paulinenaue als Standort der Forschung

Mit seiner Forschungsanstalt mit Schweißerei und Tischlerei begründete der deutsche Chemiker Johannes Wilhelm Goldschmidt (1861–1923), der 1894 das Thermitverfahren erfand und ab 1918 als Gutsbesitzer in Paulinenaue lebte, den Ruf des Dorfes als Forschungsstandort.

Während des Zweiten Weltkrieges kam der deutsche Pflanzenbauwissenschaftler Eilhard Alfred Mitscherlich (1874–1956) nach Paulinenaue und gründete hier am 1. Juni 1949 das zur Akademie der Wissenschaften zu Berlin gehörende „Institut zur Steigerung der Pflanzenerträge“. In den Jahren nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges standen vor allem Maßnahmen zur Linderung der Nahrungsmittelknappheit im Vordergrund der Forschung in Paulinenaue.

Im Jahr 1957 wurde das Institut von der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR, einer außeruniversitären agrarwissenschaftlichen Forschungseinrichtung, übernommen, zunächst in „Institut für Grünland- und Moorforschung“, 1972 dann in „Institut für Futterproduktion“ umbenannt. Während der Fokus der Forschung bis 1972 auf der Steigerung der Milch- und Fleischproduktion sowie der Intensivierung der Grünland- und Futterproduktion lag, bestand die Aufgabe der Forschung ab 1972 darin, durch eine Steigerung der Produktion die Eigenversorgung der Bevölkerung der DDR zu sichern. Mit dem stetigen Ausbau der Forschungseinrichtungen in Paulinenaue stieg auch die Bevölkerungszahl der Gemeinde in der Spitze bis zu 1 500 Einwohnerinnen und Einwohnern an.

Nach der deutschen Einheit wurde das ehemalige Institut in Paulinenaue Außenstelle und Forschungsstation Landwirtschaft des 1992 in Müncheberg gegründeten Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). Mit dem Weggang vieler Wissenschaftler und deren Familien verringerte sich die Bevölkerung von Paulinenaue Anfang der 1990er-Jahre auf unter 1 000.

Bahnhofsgebäude als neues altes Zentrum des Ortes

Das Bahnhofsgebäude von Paulinenaue war früher das Zentrum des Ortes, von dem Wohlstand und Entwicklung ausging. Heute droht das denkmalgeschützte Gebäude zu verfallen. In einem einzigartigen Projekt wollen nun Studenten der TU Berlin zusammen mit den Bewohnern des Ortes dem Bahnhofsgebäude als neuem alten Zentrum von Paulinenaue mit Radleihstation, Unterstand für wartende Reisende, Lebensmittelladen und Post- und Bankfiliale sowie einem Indoorspielplatz neues Leben einhauchen.


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Bildquellen:

Vorschaubild: Dorfkirche von Paulinenaue, 2016, Urheber: Hans G. Oberlack via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Aussicht vom Beobachtungsturm, Blick ins Havelländisches Luch, 2018, Urheber: Tumoscheit via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Siegelmarke Paulinenaue-Neuruppiner Eisenbahn-Gesellschaft, vor 1923, Urheber: unbekannt; Quelle: http://www.veikkos-archiv.com/index.php?title=Datei:W0301834.jpg via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Hans Goldschmidt (* 18. Januar 1861 in Berlin; † 21. Mai 1923 in Baden-Baden), Urheber, unbekannt via Wikmedia Commons Gemeinfrei.

Gebäude des Instituts für Futterproduktion im Lindenweg in Paulinenaue, 2017, Urheber: Z thomas via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Bahnhofsgebäude, 2003,Urheber: Joachim Scholz via Wikimedia Commons CC BY-SA 2.5.

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