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Friedrich W. Kantzenbach

Erfundenes Glück

Der Autor beschäftigt sich auf lyrischem Weg mit den essentiellen Dingen des Lebens. Er reflektiert seine reichen literarischen Begegnungen und verarbeitet Reiseerlebnisse und persönliche Bekanntschaften mit Menschen, die ihn beeindruckten. Zunehmend durchdringen die Themen Krankheit, Tod und Vergänglichkeit seine Texte.

 

Bad Wilsnack

Bad Wilsnack

Dörte Suhling

Kurort in der Prignitz

Kurmittelhaus
Kurmittelhaus

Die brandenburgische Kleinstadt Bad Wilsnack ist heute vor allem als Kurstadt bekannt. Wer hierher in die Prignitz kommt, sucht Ruhe, Entspannung und gesunde Luft. Die überregional bekannte Kristalltherme mit der eisen- und jodhaltigen Thermalsole, die aus eigener Quelle gewonnen wird, bietet dafür die besten Bedingungen. Nicht nur die Lage der Stadt im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe, sondern auch die große Vielfalt an Grünflächen und Parks wie z. B. Stadt- und Schlosspark ergänzen die Angebote für Kurgäste und Besucher der Stadt.

Eine weitere Besonderheit des Ortes ist der Salzsee mit einem Solegehalt von etwa 24 Prozent, der ein entspannendes Schweben auf dem Wasser zulässt. Wirklich besonders ist außerdem die stadtbildprägende und von überall sichtbare Wunderblutkirche St. Nikolai, die im Mittelalter zu den bekanntesten europäischen Wallfahrtsorten für Pilger gehörte.


Abgebrannt und wieder aufgebaut

Der Ort Wilsnack wurde im Jahr 1384 erstmals urkundlich erwähnt. Nachdem Kirche und Ort auf Befehl des Ritters Heinrich von Bülow 1383 niederbrannten, fand man in der alten Kirchenruine ein Jahr später Blutwunderhostien. Daraufhin wurde die Kirche wiederaufgebaut und mit ihr der alte Ort Wilsnack.


Das „Santiago des Nordens“

Nach dem Wiederaufbau der Kirche St. Nikolai gehörte Wilsnack bis Mitte des 16. Jahrhunderts zu den bekanntesten europäischen Wallfahrtsorten. Nach Jerusalem, Rom, Santiago de Compostela und Aachen zählte Wilsnack zu den fünf bedeutendsten Pilgerstätten des Christentums und war das meistbesuchte Ziel der Pilger in Nordeuropa. Bis 1552 strömten jedes Jahr Hunderttausende in den Ort in der Prignitz, um die Bluthostien zu sehen. Noch heute ist der damalige, 119 Kilometer lange Pilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack, der durch die z. T. einsame brandenburgische Landschaft, auf historischen Wegen und vorbei an kunsthistorischen Schätzen führt, eine beliebte Strecke für Naturliebhaber und Ruhesuchende. Die Pilgerreisen endeten mit der Verbrennung der Hostien durch erste evangelische Würdenträger im Jahre 1552.


Schäden durch Stadtbrände, Krieg und Hochwasser

Die Jahre vom 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren sehr leidvoll für Wilsnack. Während des Dreißigjährigen Krieges war die Stadt mehreren Plünderungen ausgesetzt, sowohl von kaiserlichen Truppen als auch von Sachsen, Dänen und Schweden. Zudem verursachten mehr als fünf Stadtbrände in den Jahren zwischen 1690 und 1828 großen Schaden und zerstörten zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser in der Stadt. Überschwemmungen durch Deichbrüche nach Hochwässern der Elbe überschwemmten ganze Stadtteile

Wirtschaftlicher Aufschwung mit der Eisenbahn

Der Anschluss an die Eisenbahnstrecke von Berlin nach Hamburg im Jahr 1864 sorgte für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Nun konnten auch Besucher aus den beiden Großstädten die doch eher beschauliche, ruhige Stadt in der Prignitz erreichen und sich hier erholen. Nachdem der Stadtförster Zimmermann 1899 eine Moorprobe nach Berlin zur Begutachtung auf dessen Heilwirkung geschickt und positiven Bescheid erhalten hatte, entwickelte sich Wilsnack zusehends zum Kurort. Zu Ehren des Stadtförsters, der die heilbringenden Moorvorkommen entdeckte, wurde 2006 an der Stadthalle von Bad Wilsnack ein Gedenkstein eingeweiht.


Wilsnack wird Kurort und Bad

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Wilsnack die erste Kureinrichtung offiziell eröffnet. Seit 1907 wurden hier insbesondere rheumatische, Unterleibs-, aber auch Venen- und Krampfadernleiden behandelt. Nach Inbetriebnahme der Wilsnacker Moorbahn 1928 und eines Genesungsheims für Sozialversicherte wurde der Stadt im September 1929 vom preußischen Staat offiziell der Titel „Bad“ verliehen, der seit dieser Zeit zum Namen der Stadt gehört. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kam die bis dahin stetig steigende Gästezahl zeitweilig zum Stillstand.

Aber bereits 1946 wurde das Kurbad wiedereröffnet. Zu DDR-Zeiten zählte Bad Wilsnack zu den größten Moorbädern der ehemaligen Republik, dem allerdings aufgrund der immer schlechter werdenden Bausubstanz der Abriss drohte.


Staatlich anerkanntes Thermalsole- und Moorbad

Nach umfangreicher Sanierung konnte der alte Kurbetrieb Elbtalklinik seit 1993 weitergeführt werden. Als Fachklinik für orthopädische und rheumatologische Leiden werden hier heute vor allem Anschlussheilbehandlungen und Rehabilitationskuren für Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates durchgeführt. Im Jahr 1997 stieß man bei Bohrungen auf gewaltige Solevorkommen unter dem Stadtgebiet, die für den Kurbetrieb genutzt werden konnten. Seit 2003 darf Bad Wilsnack offiziell den Titel „Staatlich anerkanntes Thermalsole- und Moorbad“ tragen.

Unweit der Klinik befindet sich auch das Gradierwerk, das für die gute Luft in Bad Wilsnack sorgt. Bei der Verdunstung der Sole über speziell dafür bereitgestelltem Reisig werden die in der Salzlösung enthaltenen Minerale freigesetzt. Der so erzeugte „Meerwassereffekt“ sorgt insbesondere bei Beschwerden der Atemwege und der Haut für Linderung und Besserung.


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Bildquellen:

Wunderblutkirche St. Nikolai de:Wunderblutkirche (Bad Wilsnack) in Bad Wilsnack, Brandenburg Von MrsMyerDE - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31...

Bad Wilsnack, Brandenburg, Deutschland, Kurmittelhaus Von I, Clemensfranz, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22...

Dampflok via pixabay.com, gemeinfrei

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