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"... mein Leben, das allerqualvollste, das ein Mensch je geführt hat." So schrieb Heinrich von Kleist an eine seinem Herzen nahe stehende Verwandte wenige Stunden, bevor er sich mit seiner Todesgefährtin am Wannsee erschoss.

Schloss Boitzenburg

Schloss Boitzenburg

Almut Philipp

Ferien im Märchenschloss − Das Schloss in Boitzenburg

Die Uckermark erwacht so richtig erst ab dem Ende des März und so ist der Hinweis in der Parkordnung des märkischen Schlosses Boitzenburg „11. Das Baden in den Gewässern rund um die Schlossinsel ist nur Hotelgästen gestattet.“ zu Frühjahrsbeginn eher eine Verheißung als ein Verbot. Beim Blick über das Wasser des „Küchenteiches“ bei Sonnenschein baden nur die Augen im spiegelglatten Wasser. Die wasserumsäumte Schlossanlage mit dem Schlosspark hat dennoch schon zahlreiche Besucher. Wasservögel nutzen die Ruhe und im kleinen Streichelzoo tummeln sich Ziegen und Meerschweine.

Über das Jahr werden sich bis zu 10.000 Kinder im Schloss zu Klassenfahrten und Ferienerholung unter dem Motto „Schlafen wie die Grafen“ erholen. In der imposanten Neorenaissance-Schlossanlage ist seit 1993 das heutige Kinder- und Familienhotel beheimatet.

Besuch in historischen Räumen

Das Schloss wurde zwischen 1999 und 2004 aufwendig innen und außen saniert. Seitdem können das Ritterzimmer, das Norwegerzimmer und die Reliefstuckdecke von 1630 im Jagdzimmer auch besichtigt werden. Die Bibliothek wurde nach 1945 aufgelöst, die Bestände wurden in die Sowjetunion geschafft und gelten seitdem als verschollen.

Durch einen Brand wurden 1949 der Dachstuhl im Unterhaus, Spitze und Helm des Turmes, Giebelhäuser und Bedachungen der Erkertürme und des Grafenturmes zerstört. Die Jahrzehnte danach war das Schloss Genesungsheim für Typhuskranke, Lazarett des Roten Kreuzes und Wohnstätte für Umsiedler. Später waren hier die kasernierte Volkspolizei und die Nationale Volksarmee, die es bis 1990 als Erholungsheim nutzte.

Von der Ritterburg zum Renaissanceschloss

Eine so große Schlossanlage − neben den Potsdamer Königsschlössern − das größte und bedeutendste märkische Schloss −, hat natürlich eine bewegte Baugeschichte.

1276 wurde erstmals eine Burganlage in Boitzenburg erwähnt. Der erste bekannte Lehensträger hier war Ritter Dietrich von Kerkow, der einem alten uckermärkischen Rittergeschlecht entstammte, das unter den damaligen ritterlichen Geschlechtern der Region eine bedeutende Stellung besaß. So war Dietrich von Kerkow ein Vasall des Markgrafen von Brandenburg und bis 1276 Herr des Landes Schildberg und dann Vogt der Neumark.

Ab 1429 ist der Name derer von Arnim beginnend mit dem Hauptmann und Landvogt Hans von Arnim und seinem Bruder Jaspar von Arnim mit dem Schloss in Boitzenburg, ein früherer Name war auch Schloss Marienfließ, verbunden. Diese alte Boitzenburger Linie der Familie blieb über 400 Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Familie Armin ihr Besitzrecht verlor, in Boitzenburg.

Hans VIII von Arnim tauschte 1528 das Schloss Zehdenick an der Havel gegen das Schloss Boitzenburg.

Er gilt als der erste Bauherr, denn er erbaute 1537 bis 1538 das Oberhaus des bis heute erhaltenen Renaissanceschlosses. Um 1590 entstand der Renaissanceneubau des sogenannten Unterhauses unter Berndt IV von Arnim. Georg Dietloff von Arnim baute das Unterhaus im 18. Jh. zu einer barocken Dreiflügelanlage um.

Der Marstall

Der Marstall, heute gegenüber vom Schloss gelegen, wurde um 1763/64 von Friedrich Wilhelm von Arnim gebaut. Der Entwurf für den Bau geht auf den schlesisch-preußischen Baumeister und Architekten Carl Gotthard Langhans zurück. Heute gibt es hier eine Schokoladenmanufaktur und eine Kaffeerösterei, die auch ein Café mit einem ausgezeichneten, frisch gebackenen Kuchenangebot beherbergt.

Ein kleiner Spaziergang

Von hier schaut man gegenüber zum Schloss und zur rechten Seite auf die sogenannten, im Fachwerkstil erbauten Beamtenhäuser. Spätestens jetzt lohnt es sich, ein Stück weit dem Architekturspaziergang des Architekten und Gastwirtes des Gasthofs zum Grünen Baum zu folgen. Hinter dem historischen noch nicht restaurierten Gebäude des alten Gasthofes „versteckt“ sich das stilgerecht umgebaute Stallgebäude. Von hier sind es bis zum Zentrum des Ortes und zur weithin sichtbaren Kirche St. Marien auf dem Berge aus dem 13. Jh. nur wenige Schritte aufwärts.
Von oben sind die Fischteiche gut zu sehen, der Duft des geräucherten Fisches zieht hin und wieder durch den Ort.

Dem Mühlenweg folgend, sind bald die Klosterruine des ehemaligen Zisterzienser-Nonnenklosters (erbaut 1289) und die Klostermühle am Marienfließ mit Museum zu sehen. Sie war bis 1978 noch in Betrieb und ist heute ein technisches Denkmal. Das Kloster wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Einige seiner Ziegel sollen in den Mauern des Boitzenburger Schlosses verbaut sein. Jetzt stehen einige große stattliche Bäume „schützend“ vor den alten Mauerresten.

Auf dem Rückweg

Der Rückweg führt wieder Richtung Schloss und Schlosspark. Das Schloss selbst steht auf einer Insel. Der ursprünglich als Barockgarten angelegte Schlosspark wurde im 19. Jh. von dem Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné im Gartenstil umgebaut. Er sorgte auch für die Alleen, die sternförmig auf Boitzenburg zuführen.

In den Jahren 1840-1842 wurde das Unterhaus des Schlosses in neogotischem Stil, ab 1881-1884 im Stil der Neorenaissance von Carl Doflein umgestaltet.

Solange die Bäume noch kein Laub haben, ist der Apollotempel vom Schlosshof aus gut zu sehen. Reste des Schlangentempels von Langhans, das sogenannte Erbbegräbnis mit einer Christusfigur nach Thorvaldsen und die Ruine der Roten Kapelle von Martin Gropius sind im Park zu entdecken.

 

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Bilder: Almut Philipp

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